Handwerk und Bau · Kreis Borken

    KI und Digitalisierung für Handwerk und Bau im Kreis Borken

    Im Kreis Borken arbeiten mehr Betriebe im Handwerk als in jedem anderen Kreis des Münsterlands. Wir sehen uns an, wie vom Aufmaß bis zur Schlussrechnung gearbeitet wird, und sagen Ihnen, wo sich Digitalisierung und KI lohnen. Und wo nicht.

    Von Christian Schubert · Stand 07.10.2026

    Handwerk und Bau in Zahlen

    Die Branche auf einen Blick

    • 5.571Handwerksbetriebe im Kreis Borken, alle Gewerke (Handwerksrolle, 30.06.2026)
    • 50.918Beschäftigte im Handwerk im Kreis Borken (Handwerkszählung, 31.12.2024)
    • 8,64 Mrd. EuroJahresumsatz des Handwerks im Kreis Borken 2024
    • 43 %der Inhaber im Kammerbezirk Münster sind über 55 Jahre alt (31.12.2025)
    • 9,9 WochenAuftragsreichweite im Ausbaugewerbe, 13,2 Wochen im Bauhauptgewerbe (bundesweit, 1. Quartal 2026)
    • 4 %der Handwerksunternehmen setzen KI ein, weitere 9 % planen es (Bitkom 2025, bundesweit)

    Quelle: Handwerkskammer Münster (Basiszahlen nach Kreisen), Zentralverband des Deutschen Handwerks (Konjunkturbericht 1/2026), Bitkom (Studienbericht Handwerk 2025). Die Kreiszahlen gelten für alle Gewerke, nicht nur für Bau und Ausbau.

    Gewerke

    Eigene Seiten für einzelne Gewerke

    Struktur

    Kleine Betriebe, viele Gewerke

    Die Handwerkskammer Münster zählte zum 30. Juni 2026 im Kreis Borken 5.571 Betriebe, 25 mehr als Ende 2025. Zum Vergleich: Im Kreis Steinfurt waren es 5.475 Betriebe mit 45.432 Beschäftigten, im Kreis Borken sind es 50.918. Gemessen an der Einwohnerzahl kommen im Kreis Borken rund 14,6 Handwerksbetriebe auf 1.000 Einwohner (eigene Rechnung aus 5.546 Betrieben Ende 2025 und 380.796 Einwohnern Ende 2024). Im Kreis wurden im ersten Halbjahr 2026 281 Existenzgründungen im Handwerk gezählt, dem standen 5 Insolvenzen gegenüber.

    Die Kammer unterscheidet in ihrer Konjunkturumfrage das Bauhauptgewerbe (Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer, Gerüstbauer) vom Ausbaugewerbe (unter anderem Maler und Lackierer, Tischler, Fliesenleger, Installateure, Elektrotechniker). Das Ausbaugewerbe ist bundesweit die größte Gewerbegruppe im Handwerk: 2024 zählte das Statistische Bundesamt dort 213.000 Unternehmen mit 1,6 Millionen tätigen Personen, also rund 7,5 tätige Personen je Unternehmen (eigene Rechnung). Im Kreis Borken liegt der Durchschnitt über alle Gewerke bei rund 9 Beschäftigten je Betrieb (eigene Rechnung, grober Richtwert, weil Zähler und Nenner aus verschiedenen Stichtagen stammen).

    Konjunktur

    Volle Bücher, schwächere Stimmung

    Im ersten Quartal 2026 meldete der Zentralverband des Deutschen Handwerks eine Auftragsreichweite von 8,9 Wochen im Gesamthandwerk, 13,2 Wochen im Bauhauptgewerbe und 9,9 Wochen im Ausbaugewerbe, bei einer Kapazitätsauslastung von 75 bis 78 Prozent. Die Handwerkskammer Münster kommt in ihrer Frühjahrsumfrage (577 Betriebe, März bis April 2026) auf 9,3 Wochen Reichweite und 76,8 Prozent Auslastung. Das heißt: Die Betriebe sind für Wochen im Voraus ausgelastet. Wer dann Zeit im Büro verliert, verliert sie an der Stelle, an der sie am knappsten ist.

    Die Stimmung hat sich 2026 eingetrübt. In der Umfrage der Kammer melden 37 Prozent der Betriebe eine gute und 22 Prozent eine schlechte Lage, 75 Prozent berichten von gestiegenen Energiekosten, nur 46 Prozent konnten höhere Preise am Markt durchsetzen. Der Zentralverband nennt für das zweite Quartal 2026 den stärksten Rückgang des Klimaindex in einem zweiten Quartal seit Beginn der Pandemie. Das Bauhauptgewerbe ist dabei wetterabhängiger, das Ausbaugewerbe gilt dem Verband mit seinem Sanierungsgeschäft als Stabilitätsanker.

    Alltag

    Vom Aufmaß bis zur Schlussrechnung

    Der Ablauf ist in fast allen Gewerken ähnlich: Anfrage, Aufmaß oder Besichtigung, Angebot, Auftrag, Material und Terminplanung, Ausführung mit Stundenzetteln, Lieferscheinen und Fotos, gegebenenfalls Nachträge, Abschlagsrechnungen, Abnahme, Schlussrechnung und Zahlungsüberwachung. Das ist die übliche Abfolge, wie wir sie aus Betrieben kennen, keine Messung.

    Wie digital sie ist, zeigt eine Befragung von Bitkom unter 504 Handwerksunternehmen (Sommer 2025): 68 Prozent versenden Angebote digital, 62 Prozent Rechnungen. Zugleich nutzen 77 Prozent weiterhin den Brief und 26 Prozent sogar das Fax. Wie viel Zeit das Büro im Bauhandwerk im Schnitt kostet, ist nicht belegbar, eine Zahl dazu nennen wir deshalb nicht.

    Rahmen

    Was Büro und Baustelle rechtlich berührt

    E-Rechnung: Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische Unternehmen strukturierte E-Rechnungen empfangen können, etwa im Format XRechnung oder ZUGFeRD. Ein einfaches PDF per E-Mail zählt nicht dazu. Ausstellen müssen sie im B2B-Bereich nach der Übergangsregelung in § 27 UStG ab dem 1. Januar 2027, Betriebe mit geringem Vorjahresumsatz erst ab dem 1. Januar 2028. Für Rechnungen an Privatkunden gilt die Pflicht nach dem BMF-Schreiben vom 15. Oktober 2025 nicht. Welche Regel für Sie gilt, klärt Ihr Steuerberater.

    Bei Bauleistungen kommen Besonderheiten dazu: Unter bestimmten Voraussetzungen schuldet der Auftraggeber die Umsatzsteuer (§ 13b UStG), und bei Aufträgen von Unternehmern ist ein Steuerabzug von 15 Prozent zu prüfen (§ 48 EStG). Abschlagszahlungen verlangen laut § 632a BGB eine Aufstellung, die den Leistungsstand nachvollziehbar macht, und Unternehmer können nach § 650f BGB eine Sicherheit verlangen. Mängelansprüche verjähren bei Bauwerken nach fünf Jahren ab Abnahme (§ 634a BGB). Rechtsstand: Gesetzestexte, abgerufen am 07.10.2026; das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.

    Gut zu wissen

    Hintergründe, die in der Branche zählen

    1. 01

      Zwei Zählweisen, zwei Größenordnungen

      Der Zentralverband führt für 2025 rund 1,04 Millionen Handwerksbetriebe, das Statistische Bundesamt für 2024 rund 564.000 Handwerksunternehmen. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, weil Abgrenzung und Datenquelle verschieden sind. Wir nennen deshalb immer die Quelle dazu.

    2. 02

      Kleine Betriebe spüren die Schwäche stärker

      2024 stieg der Umsatz großer Handwerksunternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten um 3,4 Prozent, Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten verzeichneten 15,1 Prozent weniger (Handwerkszählung 2024, Statistisches Bundesamt).

    3. 03

      Handwerk ist im Bau die Regel

      65,2 Prozent aller Unternehmen im Baugewerbe waren 2024 Handwerksunternehmen. Das Handwerk stellt 12,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland.

    4. 04

      Nachwuchs: im Kammerbezirk leicht rückläufig

      Zum 30. Juni 2026 zählte die Handwerkskammer Münster 11.331 Lehrlinge, 1,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bundesweit blieben nach dem Berufsbildungsbericht 2026 rund 16.000 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt.

    5. 05

      Wer übernimmt?

      43 Prozent der Inhaber im Kammerbezirk Münster sind über 55. Eine bundesweite Zentralverbands-Umfrage von 2020 ergab, dass 22 Prozent der Betriebe innerhalb von fünf Jahren eine Übergabe planen. Die Zahl ist sechs Jahre alt und nur als Größenordnung zu lesen. Wissen, das nur im Kopf des Inhabers steckt, wird bei einer Übergabe zum Risiko.

    6. 06

      KI ist im Handwerk noch selten

      Laut Bitkom setzen 4 Prozent der Handwerksunternehmen KI ein, 9 Prozent planen es, 84 Prozent sagen, KI sei in ihrem Betrieb kein Thema. 72 Prozent sehen zu wenig Kapazität für Digitalisierung. Das deckt sich mit dem, was wir erwarten: Es fehlt weniger an Interesse als an Zeit.

    Unser Blick

    Wo wir hinschauen würden

    • 01

      Von Angebot bis Schlussrechnung

      Die Kette aus Aufmaß, Angebot, Nachträgen, Leistungsaufstellung, Abschlägen und Rechnung hat viele Übergaben. Dazu kommen E-Rechnung und Sonderfälle bei Bauleistungen. Wir vermuten dort doppelte Erfassung und Rückfragen.

    • 02

      Dokumentation und Abnahme

      Fotos, Stundenzettel, Lieferscheine und Abnahmeprotokolle liegen oft in Messengern, E-Mails und auf Papier. Bei fünf Jahren Verjährung ab Abnahme ist das Wiederfinden einzelner Nachweise ein plausibler Zeitfresser.

    • 03

      Anfragen bei langer Auslastung

      Wer wochenlang ausgelastet ist und der Inhaber auf der Baustelle steht, verliert durch unbeantwortete Anfragen, Terminverschiebungen und Rückfragen zum Auftragsstand vermutlich Zeit. Auch die Frage, was bei einer Übergabe im Kopf des Inhabers bleibt, gehört dazu.

    Das ist unsere Einschätzung aus den Strukturdaten, keine Aussage über einzelne Betriebe. Was bei Ihnen tatsächlich Zeit kostet, sehen wir erst im Betrieb. Wo sich der Aufwand nicht lohnt, sagen wir das ebenfalls.

    Der erste Schritt

    Wo verliert Ihr Betrieb jede Woche Zeit?

    Kostenlos und ohne Verkaufsdruck. Wir hören zu und sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Analyse für Sie lohnt.

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